Pokalfinale - Bericht
Mai 2026
Am späten Samstagabend sitze ich vor der Tastatur und weiß gar nicht so richtig, wo ich anfangen soll - ob das an der Überwältigung des heutigen Tages, völliger Erschöpfung oder doch fehlender Erfahrung im Texten liegt? Um das Ganze einfacher zu machen, springen wir doch einfach an den Punkt, an dem das Projekt Pokalfinale seinen Ursprung hatte: Halbfinale gegen Paloma! Wohl fällt uns doch die “Underdog”-Rolle zu, aber mit Paloma haben wir in einem ungewöhnlich regionalligafreien Halbfinale das Schlimmste (das große Geld der “Eisenbahner”) abwenden können und so ist Träumen mindestens mal erlaubt, wenn nicht sogar gewollt! Am Spieltag dann merkte man direkt, dass bei unserem Verein durchaus Interesse besteht, wenn es sportliche Highlights gibt - gerne mehr davon! Nachdem das Spiel nicht viel nennenswertes hergab, erlebte ein rappelvoller Reinmüller ein spannendes Elfmeterschießen, welches Lila-Weiß letztendlich für sich entscheiden konnte: Völlige Extase; Pokalfinale!!! Und damit begann auch schon die große Aufgabe „erstes Pokalfinale seit gefühlten 100 Jahren“
Designprogramme, kreative Köpfe und Chatgruppen liefen heiß, eine Designidee und Skizze nach der anderen wurde in den Kreis geworfen, jede:r wollte seine euphorischen Ideen einbringen… doch eigentlich waren wir da schon viel zu weit in der Planung, wussten wir doch nicht mal, in welchem Block wir überhaupt anflaggen durften. Und wie es kommen sollte, schnappte sich Billstedt wenig überraschend den von uns ins Auge genommenen gängigen Gästeblock. Also wieder ran an die Planung, neue Konzepte aufstellen und irgendwie damit klarkommen, dass wir in einem unhandlich flachen Block unterkommen müssen (was uns im Endeffekt doch ganz gut gelungen ist)
Einige Zeit ist verstrichen, bis wir uns auf eine Blockfahne geeinigt haben und wir endlich beginnen konnten, die große Choreo vorzubereiten. Der Prozess sollte sich als durchaus anspruchsvoll, mindestens aber genau so lehrreich gestalten und durch einiges an zusätzlichem Material, welches wir uns in der Euphorie des Finales vornahmen, war ständig mehr als genug zu tun. Als wäre unser eigener Anspruch nicht genug gewesen, kamen in unregelmäßigen Abständen Kontaktversuche des Verbandes in die Post, in denen indirekt immer mehr Ideen eingeschränkt, abgelehnt oder ganz verboten wurden. Davon uneingeschüchtert zogen die unzähligen Arbeitsstunden ins Land und so stand der große Tag bevor. Früh am Morgen wurden noch einige allerletzte Vorbereitungen getroffen, letzte Pinselstriche gesetzt und das Material transportbereit gemacht, bevor wir uns auf den Weg zum Spielort machten.
Die Ungewissheit, wie unser Material, welches in dem Umfang sowohl für uns, als auch wahrscheinlich für die Veranstalter ein Novum stellte, vor Ort angenommen wird und Abwägungen, auf was wir eventuell verzichten müssen und können, legte sich dann bereits unterwegs, als uns die Nachricht erreichte, dass das Stadion offen und keinerlei Einlasskontrollen erkennbar waren. So trafen wir vor Ort wortwörtlich auf offene Türen und auch der unkomplizierte, teils kooperative Sicherheitsdienst ersparte uns einige Kopfschmerzen um unsere Pläne.
Obwohl wir uns bereits vor offizieller Stadionöffnung mit einer für unsere Verhältnisse großen Anzahl an Personen im Stadion befanden, war der Aufbau im Block sehr kräfte- und zeitzehrend und nahm einiges an Zeit in Anspruch.
Als wir dann einen Großteil unser geplanten Arbeit erledigt hatten, machte sich der vom Verein organisierte Fanmarsch vor den Stadiontoren bemerkbar und strömte kurz darauf auch zu uns in den Block. Diesen Moment konnte ich zum Reflektieren und Beobachten nutzen und war erleichtert und auch ein wenig stolz: nicht nur wurde unser ausgerufenes Motto „Alle in weiß!“ mit einer überragenden Quote angenommen, auch unsere Beflaggung (auf Grund der Bauart des Blocks entschieden wir uns größtenteils für eine Beflaggung am hinteren Zaun) konnte mit einem gefüllten Block gut in Szene gesetzt werden. Besonders erwähnenswert ist hier der von uns „eingenommene“ Kameraturm mittig hinter dem Block! In diesem Zuge auch noch einmal vielen Dank an die vielen Unterstützer:innen unseres Spendenaufrufs, ohne den wir all das nicht hätten umsetzen können.
Das Spiel fing gut an und der Ballspiel-Club konnte sich mit einer frühen Führung im Rücken schnell die Aufregung auf dem Platz nehmen. Die erste Hälfte war sicher kein fußballerischer Leckerbissen beider Teams, die Führung aber durchaus verdient. Auch wenn man die Euphorie im Block wahrnehmen konnte, konnten wir über einige Schlachtrufe nicht hinaus kommen, was sicher auch der fehlenden Trommel lag. Im Nachhinein lässt sich anmerken, dass hier definitiv noch Luft nach oben besteht, was allerdings anders auch nicht zu erwarten war, war es doch sowohl für uns als Fankreis, als auch für den ganzen Verein, das erste wirkliche „Highlight“ (in der jüngeren Vergangenheit). Kurz vor der Halbzeit konnte unsere Mannschaft durch einen Elfmeter auf 2:0 erhöhen. So konnte die Pause neben Vorbereitungen zum Intro der zweiten Halbzeit auch schon für erste vorsichtige Gegnerwünsche für den DFB-Pokal oder noch vorsichtigere Hotelbuchungen für Hotels zum Pokalfinale 2027 in Berlin genutzt werden.
Die zweite Halbzeit lief dann ereignisreicher als die erste Hälfte und im Block nutzten wir unsere Möglichkeiten um Genesungswünsche an jemandem aus unserem Kreis, der leider dem Finale nicht beiwohnen konnte, auszurichten. Deine Zeit wird kommen!
Außerdem fand das bereits bei Ligaspielen im Stadion Hoheluft präsentierte „Bierpreise senken!“-Banner seinen Platz am hinteren Zaun.
Die Schlussphase mit zwei späten Toren und der Präsentation unseres „Pokalsieger“-Banners setzten dem Spiel die Krönung auf. Wenngleich der Endstand von 5:1 etwas hoch ausfiel, kann man auf jeden Fall von einem mehr als verdienten Pokalsieg sprechen, sowohl auf dem Platz als auch auf der Tribüne. Vielleicht reichen 500 Trillerpfeifen und eine handvoll KI-generierte „Zaunfahnen“ auch einfach nicht, um der Mannschaft den entscheidenden Final-Push zu geben…
Nach einigen Feierlichkeiten im Block machten wir uns daran, zusammen zu packen, um dann den Rückweg zum Vereinsheim anzutreten. Dort angekommen konnten wir ein wenig verschnaufen und das grade Erlebte ein erstes Mal Revue passieren lassen, bevor sich die Mannschaft ankündigte. Diese empfingen wir noch gemeinsam mit vielen weiteren HEBC-Anhänger:innen vor dem Clubheim, bevor die Party starten konnte und wir den erfolgreichen Tag ausklingen lassen konnten. Nach dieser kräftezehrenden Zeit freuten wir uns alle auch ein wenig auf die anstehende Sommerpause.
Pokalsieger! FORZA HEBC!